Start der deutschen Huffington Post: Ein Content-Modell mit Zukunft?

Am 10. Oktober 2013 ist die Online-Zeitung Huffington Post in Deutschland an den Start gegangen und hat gleich zu Beginn für einige Kontroversen gesorgt.

Ebuzzing hat den Buzz im Netz analysiert und den Pressefachmann Hasso Manseld zum neuen Medium befragt.

Werbeplatzierungen auf der Startseite der Huffington Post Deutschland.

Werbeplatzierungen auf der Startseite der Huffington Post Deutschland.

Der Buzz rund um die Huffington Post

Die Aufmerksamkeit für den deutschen Ableger der Huffington Post war am Tag der Markteinführung entsprechend groß. Über die das neue Medium waren allein am 10. Oktober 52 Blog- und 21 Foreneinträge zu verzeichnen, währned am Release-Tag 61 Online-Medien zum Start der Huffington Post Deutschland berichteten. Über den gesamten Zeitraum konnten 134 Blogposts gemonitored werden; davon gelten 11 der publizierenden Blogs als einflussreich.

Buzz im Netz zur Huffington Post

Buzz im Netz zur Huffington Post

Von den insgesamt 118 Presseartikeln zum Thema war der überwiegende Teil durchaus kritischer Natur, wie horizont.net anschaulich dargestellt hat.

Anzahl der Veröffentlichungen zur Huffington Post in Blogs, Online-Medien und Foren

Anzahl der Veröffentlichungen zur Huffington Post in Blogs, Online-Medien und Foren

Positionierung der Huffington Post

Ebuzzing hat den Pressefachmann Hasso Mansfeld zur Huffington Post befragt.

Ebuzzing: Die Huffington Post ist eine der ersten redaktionellen Seiten in Deutschland, die im Hinblick auf die Finanzierung ihrer Inhalte allein auf Online-Vermarktung setzt. Dafür musste sie bereits herbe Kritik einstecken. Warum?

Mansfeld: Ich denke, es gibt in Deutschland den Anspruch in den Redaktionen, dass man für gute Arbeit auch gut bezahlt werden sollte. Das ist nachvollziehbar und richtig. Was man insgeheim fürchtet ist, dass das Projekt Schule machen könnte und die vielen bezahlten Arbeitsplätze im Journalismus in Zukunft wegfallen könnten.

Ebuzzing: Wo positioniert sich Ihrer Ansicht nach die Huffington Post? Haben die renommierten Verlagshäuser hierzulande nun einen weiteren ernstzunehmenden Mitbewerber?

Mansfeld: Die amerikanische Huffington Post gilt ja als linksliberal, allerdings ist das, was in den USA als "links" erachtet, hier in Deutschland eher in der Mitte zu verorten. Ich denke aber, dass in der aktuellen Besetzung durch Chefredaktion und prominente Blogger noch keine politische Richtung erkennbar ist, wenngleich die Blogger meiner Einschätzung nach eher im konservativen Lager zu verorten sind. Sicherlich will die Huffington Post als erstzunehmendes Nachrichten-Portal mit einem großen Anteil von Meinungbeiträgen wahrgenommen werden. Das gibt es in der Form in Deutschland noch nicht. In der derzeitigen Verfassung der Huffington Post müssen sich die tradierten Verlagshäuser in Deutschland noch keine Gedanken machen. Was ich bisher von der Huffginton Post gesehen habe, erinnert mich eher an einen bunten Gemischtwarenladen ohne klares Profil im Sortiment.

Ebuzzing: Dem Privatfernsehen scheinen werbefinanzierte Inhalte zumindest wirtschaftlich nicht geschadet zu haben. Wie sieht es mit redaktionellen Online-Angeboten aus?

Mansfeld: Portale wie die Huffington Post, die sich klar als Gratisangebote positionieren, sind nicht das Problem. Problematisch sind indes Mischmodelle, wie zum Beispiel der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Hier werden Wettbewerber aufgebaut, die durch ein Zwangsgebühren-Modell querfinanziert werden. Unter wettbewerblichen Gesichtspunkten ist die Huffington Post nur ein weiterer Konkurrent um die Werbeeinnahmen im Internet. Wichtig wird sein, dass die Huffington Post qualitativ mindestens das selbe Niveau bieten wie Spiegel Online, FAZ.net und Co.

Ebuzzing: Das Geschäftsmodell der Huffington Post setzt auf unbezahlte Blogposts und nur wenige angestellte Journalisten. Darüber hinaus gibt es viele meinungsstarke Einlassungen von Kommentatoren und viele Verweise auf bestehende Pressepublikationen. Dieses Modell scheint in den USA ganz gut zu funktionieren. Glauben Sie, dass die Huffingon Post im deutschen Markt eines Tages profitabel sein wird, Herr Mansfeld?

Mansfeld: Nun ja, in den USA scheint die Huffpo ja nach der Übernahme durch AOL wieder Verluste zu machen. Aber vielleicht ist das auch nur eine Frage, wie und ob man die 310 Millionen Dollar Kaufpreis in die operativen Kosten mit reinrechnet oder nicht. Grundsätzlich glaube ich schon, dass es möglich ist, ein Portal wie Hufpo profitabel zu betreiben. Ich glaube auch, dass die ganze Verlagslandschaft davon profitieren könnte, wenn es einen gibt, der mit innovativen Vermarktungsideen und -modellen den gesamten Markt inspiriert.

Ebuzzing: Das hierzulande etablierte Gegenmodell zur Huffington Post sind Online-Medien mit Bezahlschranken und Abos. Welchen Ansatz halten Sie für aussichtsreicher? Ist es am Ende eine Art Hybrid-Lösung aus Bezahl-Content und Advertising, die Online-Presse in eine erfolgreiche Zukunft führt?

Mansfeld: Es gibt immer mehrere Wege zum Ziel. Ich glaube, dass es eine Koexistenz beider Modelle geben wird. Meiner Meinung nach entwickelt sich das Bezahlschrankenmodell von Axel Springer positiv. In allen Formaten – auch den Bezahlformaten – wird Werbung aber weiterhin ein große Rolle spielen. Mit nuancierten Unterschieden. Beim Bezahlmodell wird der Leser sicherlich solche Werbung, die einem zunächst den ganzen Bildschirm zuklatscht, nicht akzeptiren.

Ebuzzing: Letzte Frage, Herr Mansfeld. Wie kann die Huffinton Post in Deutschland erfolgreich werden? Haben Sie Tipps?

Mansfeld: Es muss sexy sein, für die Huffpo zu schreiben. Der Coolnessfaktor ist auch ganz entscheidend, um für eine neue Schicht von Bloggern und Autoren interessant zu sein. Doch Sexyness und Coolness fehlen mir in dem jetzigen Stadium gänzlich. Die Auswahl der Promiblogger spielt da ein große Rolle. Rene Obermann und Boris Becker, da frage ich mich: Was soll das? Auch halte ich das Design für problematisch. Das ist meilenweit von der Qualität entfernt, die man von deutschen Nachrichtenportalen gewohnt ist.
Ich halte es auch für problematisch, angelsächsische Medienmarken eins zu eins nach Deutschland zu importieren. Was bei Coca-Cola funktioniert, muss bei Zeitungen noch lange nicht funktionieren. Die Medienlandschaft eines Landes reflektiert immer auch die kulturellen Eigenheiten einer Nation. Die sind in Deutschland ganz andere als in den USA. Der letzte Versuch, eine erfolgreiche ausländischen Medienmarkte in Deutschland zu etablieren, war die FTD. Leider vergeblich. Ich fürchte, mit der Huffington Post in ihrem jetzigen Erscheinungsbild wird man eher fremdeln als warm werden. Was wir brauchen ist eine deutsche Interpretation des HuffPo-Modells.

Hasso Mansfeld war Kolumnist für die Financial Times Deutschland und kommentiert für führende deutsche Medien, unter anderem in der WELT. Er arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich als Kommunikations- und PR-Berater.

Hasso Mansfeld war Kolumnist für die Financial Times Deutschland und kommentiert für führende deutsche Medien, unter anderem in der WELT. Er arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich als Kommunikations- und PR-Berater.

 

Technische Umsetzung

Auch David Mahoney, Managing Director DACH von Ebuzzing, hat den Start der Huffington Post in Deutschland verfolgt.

Mahoney: „Die Huffington Post ist eines der ersten deutschen Online-Medie die redaktionellen Content ausschließlich durch Online-Vermarktung finanzieren. In den USA war sie damit ausgesprochen erfolgreich und das kann auch in Deutschland der Fall sein. Aus technischer Sicht könnte man allerdings einiges verbessern. Die Website der Huffington Post ist aktuell überlagert mit Bannerformaten, die den optischen Eindruck der Seite nicht gerade hochwertig erscheinen lassen. Dabei gibt es für die Vermarktung redaktioneller Seiten maßgeschneiderte Werbemittel. Das Stichwort heißt „Native Advertising“. Ebuzzing hat das erkannt und bietet mit seinem gestern veröffentlichten Format Ebuzzing Native Publishern die Möglichkeit, mittels Semantic-Context-Targeting ein thematisch zum Artikel passendes Video direkt in den redaktionellen Text einzubinden. So können mit Ebuzzing Native beispielsweise in einem Artikel über Laufsport Videos von Adidas ausgesteuert oder in einem Fashion-Blog die neue Zara-Kollektion präsentiert werden. Darüber hinaus wird das Native-Format immer im sichtbaren Bereich des Lesers angezeigt und kann nicht vom User weggescrollt werden. Das maximal 30 Sekunden lange Video verschwindet, sobald es vollständig angesehen wurde. Dieser Mix aus Relevanz und Visibility ist ein wirksames Mittel gegen die Banner-Blindheit bei der Monetarisierung redaktioneller Inhalte.“

David Mahoney, Managing Director von Ebuzzing Deutschland, sagt zum Start der Huffington Post Deutschland:

„Die Huffington Post ist das erste deutsche Online-Medium, das redaktionellen Content ausschließlich durch Online-Vermarktung finanziert. In den USA war sie damit ausgesprochen erfolgreich und das kann auch in Deutschland der Fall sein. Aus technischer Sicht könnte man allerdings einiges verbessern. Die Website der Huffington Post ist aktuell überlagert mit Bannerformaten, die den optischen Eindruck der Seite nicht gerade hochwertig erscheinen lassen. Dabei gibt es für die Vermarktung redaktioneller Seiten maßgeschneiderte Werbemittel. Das Stichwort heißt „Native Advertising“. Ebuzzing hat das erkannt und bietet mit seinem gestern veröffentlichten Format Ebuzzing Native Publishern die Möglichkeit, mittels Semantic-Context-Targeting ein thematisch zum Artikel passendes Video direkt in den redaktionellen Text einzubinden. So können mit Ebuzzing Native beispielsweise in einem Artikel über Laufsport Videos von Adidas ausgesteuert oder in einem Fashion-Blog die neue Zara-Kollektion präsentiert werden. Darüber hinaus wird das Native-Format immer im sichtbaren Bereich des Lesers angezeigt und kann nicht vom User weggescrollt werden. Das maximal 30 Sekunden lange Video verschwindet, sobald der User es vollständig angesehen hat. Dieser Mix aus Relevanz und Visibility ist ein wirksames Mittel gegen die Banner-Blindheit bei der Monetarisierung redaktioneller Inhalte.“

David Mahoney ist Managing Director bei Ebuzzing Deutschland.

David Mahoney ist Managing Director bei Ebuzzing Deutschland.

Geschrieben von Ebuzzing Deutschland/FB

Veröffentlicht in #News, #EbuzzingMedia, #Native, #Editorial

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